Ein Bischof als Sozialmanager

Yablonitsa. Im Kinderferiendorf Yablonitsa wurde in den 90er Jahren für Kinder eingerichtet, die nach der Tschernobyl-Nuklearkatastrophe an Krebs erkrankt waren. Hier kamen wir mit Stanislav Szyrokoradiuk, Bischof von Charkiv, ins Gespräch.

Bei unserem Besuch des Kinderferiendorfes Yablonitsa in den ukrainischen
Karpaten präsentierte uns Stanislav Szyrokoradiuk, Bischof von Charkiv und ehemaliger Präsident der römisch-katholischen Caritas Spes, mit viel Enthusiasmus das Ferienerholungsprogramm der Caritas Spes. Mittlerweile betreibt die Organisation vier Erholungszentren, in der rund 3.000 Kinder im Jahr (Sommer und Winter) Erholung genießen können.

Das Feriendorf Yablonitsa entstand in den 90er Jahren, unter der Trägerschaft der 1996 neu gegründeten Caritas der römisch-katholischen Kirche (Caritas Spes bedeutet so viel wie „Liebe und Hoff nung“). Ursprünglich wurde es für Kinder eingerichtet, die in Folge der Tschernobyl-Nuklearkatastrophe an Krebs erkrankten und zur Regeneration ihres angeschlagenen Immunsystems hier her gebracht wurden. Heute stehen Kur- und Erholungsaufenthalte für Kinder aus belasteten Regionen und aus sozial schwachen Familien auf dem Programm.

Aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine nehmen nun auch Flüchtlingskinder an den Kindererholungsprogrammen teil. In den vergangenen Jahren wurde das Zentrum durch grundlegende Renovierungs- und Ausbaumaßnahmen zu einem ganzjährig geöffneten Bildungs- und Erholungszentrum weiterentwickelt. Die Sozialisationsangebote gehen über die reine körperliche Erholung hinaus. Soziale und psychologische Komponenten sind ebenfalls häufi ge und durchaus gewünschte Resultate der Maßnahmen.

Viele deutsche und österreichische Sponsoren unterstützten den Bau der Kinderhäuser.
Rund eine Million D-Mark investierten beispielsweise die Diözesan-Caritasverbände Paderborn, Essen, Münster und Aachen in die Einrichtung, auch Renovabis unterstützt das Projekt seit vielen Jahren. Um den laufenden Betrieb zu fi nanzieren, werden Wohneinheiten an solvente Besucher vermietet. Die so erzielten Einnahmen kommen der sozialen Arbeit mit den Kindern zugute.

In einem der anderen Zentren der Caritas Spes gibt es Dauerwohneinheiten für ältere Menschen. Betreut von drei Nonnen warten die Bewohner sehnsüchtig darauf, dass im Sommer und im Winter wieder Kinder zur Erholung kommen und für quirlige  Betriebsamkeit sorgen.

Text: Wolfgang
Fotos: Lisi Maier, Thomas Müller-Boehr

* In der Ukraine gibt es zwei Caritas-Verbände: Die Caritas Ukraine als griechisch-katholische Organisation und die Caritas spes als römisch-katholischer Verband.

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Bischof Stanislav Szyrokoradiuk ist seit einigen Jahren im Osten der Ukraine tätig und arbeitet dort mit Menschen, die in die kriegerischen Auseinandersetzungen involviert sind. Immer weniger Menschen, so der Bischof, seien in Folge der Tschernobylkatastrophe erholungs- und rehabilationsbedürftig. Dafür gebe es zunehmend Kinder, die kriegsfolgegeschädigt seien.

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„Die Feriendörfer stehen allen Kindern offen, nicht nur denen mit römisch-katholischer Konfession“ betonte der Bischof im Gespräch. Auch viele Kinder aus orthodoxen und nichtreligiös geprägten Familien nehmen die Angebote der Caritas spes wahr und fahren zur Erholung in die Karpaten. „Am Anfang haben die Familien geglaubt, dass wir ihre Kinder in die römisch-katholische Kirche holen wollen und zur Sicherheit Priester der eigenen Religion mitgeschickt. Heute ist das anders. Es ist selbstverständlich, dass es nicht unser Ziel ist, Kinder zu missionieren“, so Stanislav Szyrokoradiuk.

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