„Der Kampf um die Freiheit“

Kiew. „Was in der Ukraine stattfindet ist der Kampf um Freiheit“ – mit diesen Worten schloss Andrij Waskowycz, Direktor der Caritas Ukraine und Journalist, unser Fachgespräch am Dienstagabend – und hinterließ damit einen bleibenden Eindruck.

Am Dienstagabend empfing uns der Präsident der griechisch-katholischen Caritas Ukraine, Andrij Waskowycz, in den neubezogenen Büroräumen der Caritas, unweit des Kiewer Olympiastadions. In einem politischen Fachgespräch informierten wir uns über die Arbeit der Caritas Ukraine, die in einem engen Zusammenhang mit der neueren Geschichte des Landes steht.

Gleich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er Jahren und dem Kriegsbeginn begann die Caritas Ukraine Hilfsgüter wie Nahrungsmittel, Matratzen, Decken und Hygieneartikel an die Betroff enen zu verteilen. Lange Jahre lag der Fokus auf der Bekämpfung der Hungersnot im Land. Dazu wurden zum Beispiel Spenden gesammelt und Suppenküchen eingerichtet.

Gesundheitsvorsorge, Kinder- und Jugendarbeit sowie Migration sind bis heute die drei Hauptschwerpunkte der Arbeit der Caritas Ukraine. Bis zur sogenannten orangenen Revolution 2004 gab es in dem Land bis zu 120.000 Straßenkinder, um die sich die Caritas kümmerte. Seit 2004 ist die Zahl der Straßenkinder zwar stark zurückgegangen, jedoch gibt es seit Jahren eine neue Zielgruppe, die Unterstützung braucht: Die Kinder der rund 4,5 Millionen ukrainischen Arbeitsmigranten/-innen, die alleine in der Ukraine zurück geblieben sind.

Die Majdan-Bewegung und ihre gesellschaftlichen Folgen verglich Waskowycz mit der 68er-Generation in Deutschland: Auch hier setzte sich die erste Generation, die nach einer Diktatur aufgewachsen ist, für moderne und liberale Werte ein. Auf die Majdan-Proteste folgte der (Bürger-)Krieg im Ostteil des Landes, der im Westen sowie in der Zentralukraine quasi nicht zu sehen oder spüren ist.

Dieser Krieg und seine Folgen stellen seit 2014 die größte Aufgabe für die Caritas
Ukraine dar, weshalb sich die Mitarbeiterzahl von 450 in 2013 auf ca. 1.000 Mitarbeiter/-innen in 2016 mehr als verdoppelt hat. Hier hilft die Caritas vor allem bei der Unterstützung der ca. 1,5 Millionen Binnenflüchtlinge.

Auf die Frage, ob er glaube, dass die Ukraine „europareif“ sei, antwortete der ausgebildete Journalist: „ Die Ukraine ist das einzige Land in Europa, in dem auch junge Menschen mit der europäischen Flagge in der Hand gestorben sind“, und ergänzte, dass eine Begeisterung für die europäische Idee und Union – wie sie vor allem in der Ukrainischen Jugend verbreitet ist – wohl nur äußerst selten in anderen Ländern Europas zu finden sei.

Text: Matthias Zitzelsberger

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